Ab auf die Piste

Als ich am zweiten Januarwochenende (ohne Fahrrad) im Siegerland war, konnte ich den Winter endlich mal von seiner schönen Seite erleben, mit richtig viel Schnee. Ich hatte dann sogar Glück, das Wetter hielt bezüglich der Temperaturen die darauf folgende Woche an, so dass ich weiterhin mit Schnee rechnen konnte. Also schnappte ich mir mein Salsa Fargo, das ich ein paar Wochen zuvor zur Sicherheit mit Spikes (Schwalbe Marathon Winter 29 x 2.0) bestückt hatte, damit ich auch im unwahrscheinlichen Fall von Schnee und Eis in Köln weiterhin zur Arbeit fahren kann, und machte mich per Zug auf Richtung Siegerland. Da dort immer noch mit einer Schneehöhe über 30 cm zu rechnen war, stieg ich schon in Au an der Sieg aus, um bei bestem Wetter eine kleine Runde durch den Schnee zu drehen.

Gute 10 cm Schnee, auf den Waldautobahnen schön fest gefahren, wegen des sonnigen Wetters in der Sonne teilweise komplett weggetaut, oder zu einer richtigen Eisfläche geworden, ideale Bedingungen um voran zu kommen.
Da ich nicht wusste, wie fahrbar die einzelnen Wege aufgrund des Schnees sind, hatte ich mir keine Strecke zusammengestellt, die ich fahren wollte, sondern nur einen groben Plan verfasst: erstmal ein Stück Richtung Norden bzw. Nordwesten, in den Nutscheid, und dort weiter Richtung Westen, so dass ich jederzeit wieder runter ins Siegtal an die Bahnlinie nach Köln komme. Gekommen bin ich dann nur bis an die Grenze zum Nutscheid, es ging langsamer voran als gedacht, viele Fotostopps, und gerade bergab bin ich doch lieber eine Runde vorsichtiger gefahren.

Die Spikereifen machten insgesamt einen guten Job, gerutscht bin ich eigentlich gar nicht, beim Anfahren am Berg auf festgefahrenem Schnee hat das Hinterrad etwas durchgedreht, sobald ich auf dem Sattel saß, war aber genügend Druck auf dem Hinterrad. Teilweise ging es über richtige Eisflächen, ganz ohne Probleme, da haben manche Spaziergänger ganz schön dumm geguckt. Probleme hatte ich eigentlich nur dort, wo die Schneedecke nicht richtig festgefahren war, und das Vorder- oder Hinterrad im Schnee versunken ist. Da hätte nur ein Fatbike geholfen. Nach gut 3:15 Stunden (Fahrzeit etwa 2:45h) hatte ich gut 27 km gefahren und den Bahnhof in Schladern erreicht.

Zum Abschluss noch ein paar meiner Fotos:

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Der erste Anstieg, mit den Spikes kein Problem

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Einmal oben angekommen, konnte man schön laufen lassen. Aber immer eine Runde vorsichtiger, wie ohne Schnee

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Blick ins Siegtal

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Weiter oben in der Sonne war der Weg komplett vereist, ließ sich aber ganz problemlos hoch fahren

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So habe ich die Sieg auch noch nicht gesehen

Zieht euch warm an

Als Ganzjahres-Radler hat man bezüglich Wetter vermutlich immer den Spruch „es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte/falsche Kleidung“ im Kopf. Aber was ist eigentlich gute/richtige Kleidung? Ich versuche hier mal mein Herbst/Winter/Frühling-Outfit fürs Bike2Work, aber auch für normale MTB-Runden, mit kühleren/kalten Temperaturen etwas zu beschreiben.

Wenn es im Herbst langsam kühler wird, wundere ich mich immer über dick eingekleidete Radfahrer, obwohl es eigentlich noch gar nicht richtig kalt ist… Vor kurzem laß ich irgendwo, das er im Winter immer so viel anziehen müsste (Thermohose/ -jacke oder Trikot…), und ich dachte nur: „Was? Wofür das denn?“
Warm anziehen ist eigentlich nur für eben kurz zum Bäcker oder Einkaufen angesagt, bei Fahrten >15 Minuten wird einem durchs Radfahren warm.

Beim MTB fahren finde ich den Herbst eigentlich am schwierigsten, wann das Sommerfunktionsshirt gegen eins für kühlere Temperaturen tauschen? Das muss wohl jeder für sich herausfinden. Hier im Mittelgebirge geht es ständig auf und ab, da ist nichts mit vor der Abfahrt eben eine Jacke überziehen, und unten wieder ausziehen. So kommt man bergauf ordentlich ins Schwitzen, bergab kann es recht kühl werden. Je wärmer angezogen, desto mehr schwitzt man, desto kühler wird es in der Abfahrt. Ein Teufelskreis.
Also besser nicht ganz so warm anziehen, beim Losfahren sollte man leicht frieren, liest man immer wieder, ein guter Tipp. Über dem Funktionsshirt trage ich meistens ein Trikot, dass vorne winddicht ist, hinten aber einen ganz normalen atmungsaktiven Stoff hat. So ist man vor dem Fahrtwind geschützt, die Hitze staut sich aber nicht wie mit einer Windjacke/-weste. In Kombination mit einem anderen Funktionsshirt (schnell trocknend, dass den Schweiß vom Körper abhält), bin ich mit dem Trikot schon bis ca. 2° C mehrere Stunden problemlos gefahren.
Unten rum trage ich meistens eine 3/4-Bib, darüber eine Bike-Short und Kniestrümpfe, modisch vielleicht fragwürdig, aber wenn es zu warm wird, kann man die Kniestrümpfe ausziehen, und die Unterschenkel bekommen etwas Kühlung. Nur wenn es dauerhaft unter 0° C sind, denke ich über eine lange, warme Hose nach. Für Pausen habe ich noch eine Primaloftjacke dabei, die ziehe ich ggf. auch an, wenn ich mich auf den Rückweg mache. Wenn es richtig kalt ist, trage ich die Primaloftjacke auf der ganzen Tour, ist zwar recht warm, aber man kühlt nicht aus. Das Problem hatte ich z.B. mit einer Softshelljacke.

Beim Bike2Work ist das Thema zu viel schwitzen und auskühlen nur bedingt ein Thema, schließlich bin ich viel kürzer unterwegs (ca. 35-45 Minuten). Also lieber etwas zu viel schwitzen, wie frieren. Trotzdem, so lange die Temperaturen über 0° C liegen, reicht mir Funktionsshirt, Trikot aus Merinowolle, Windweste, dünne 3/4-Hose (meine Hose für Herbst, Winter und Frühling, keine spezielle Radhose…) und Kniestrümpfe. Wenn es Richtung 10° C geht, lasse ich die Windweste weg, beim Funktionsshirt wird ebenfalls je nach Temperatur variiert.
So um die 0° C muss was langes an meine Beine, dann kommt doch etwas kühle Luft an die Knie, da ist die 3/4-Hose zu luftig. Dazu die o.g. Primaloftjacke, auf den letzten Metern öffne ich die Jacke durchaus schon mal, weil es darin recht warm wird.

Um den Hals trage ich ein Buff, auf dem Kopf ebenfalls (das sogar ganzjährig). Wird es kühler, ziehe ich mir das Kopf-Buff über die Ohren, wird es noch etwas kühler, ziehe ich mir das Hals-Buff über Hinterkopf und Ohren, und das Kopf-Buff ebenfalls. Das Hals-Buff kann man dann ggf. noch über Mund und Nase ziehen. Das mache ich aber nur bei deutlich unter 0° C, oder nur kurz beim losfahren. Bei solchen Temperaturen tausche ich dann auch das Kopf-Buff gegen eine Unter-den-Helm-Mütze, erinnert vom Aussehen ein bisschen an die Badekappen früher im Schwimmbad.

Problemzonen: Hände und Füße

Erst zu den Füßen: Ich fahre mit Klickpedalen, habe keine richtigen Winterschuhe, trage etwa ab Herbst je nach Witterung wasserdichte GoreTex Fahrradschuhe, im Winter sowieso. Die halten eine gewisse Zeit warm, beim Bike2Work also kein wirkliches Problem. Wenn es kalt wird, trage ich wie oben erwähnt Kniestrümpfe, darunter ein weiteres Paar normale Socken. Bei deutlich unter 0° C die Schuhe morgens noch auf die Heizung, alles gut.
Bei längeren Touren unter 5° C trage ich Socken (ggf. warme) + Kniestrümpfe, dazu ggf. noch Überschuhe, das hält ca. 2 Stunden. Ab einer gewissen Temperatur werden meine Füße irgendwann immer kalt, dann muss ich zur Not mal einen Berg hoch schieben.

Mit den Händen habe ich eigentlich am meisten Probleme, kalt ist quasi der Normalzustand. Das ist vor allem morgens im Winter zur Arbeit ein Problem, beim Losfahren schon kalte Hände, dann dauert es etwa 15 Minuten, bis sie langsam warm werden. Je nach Temperatur können sie davor erstmal ziemliche Eiszapfen werden. Die wärmsten Handschuhe, die ich bisher habe sind Lobster-Handschuhe, also Zeige- + Mittelfinger und Ring- + kleiner Finger sind jeweils zusammen eingepackt. Damit kann man halbwegs einen 1-Fingerbremshebel bedienen (auf dem Trail wollte ich das allerdings nicht machen), so bis 0° C geht es damit zur Arbeit ganz problemlos. Wenn es kälter wird, ist es auch damit erstmal unangenehm.
Nun werden meine Hände aber nach einer gewissen Zeit warm, dann sind warme Handschuhe eigentlich zu viel. Zur Arbeit ist das kein Thema, dann schwitze ich zum Ende etwas mehr, und komme schön warm auf der Arbeit an.
Bei längeren Touren, schwitze ich aber irgendwann zu viel, so dass die Hände im feuchten Handschuh wieder auskühlen. Daher habe ich mir angewöhnt, bei längeren Touren ein weiteres Paar warme Handschuhe mitzunehmen, so dass ich unterwegs wechseln kann, wenn es langsam kühl an den Händen wird. Ein Alternative wäre ggf. im richtigen Moment, wenn die Hände warm geworden sind, auf einen nicht ganz so warmen Handschuh zu wechseln, dass habe ich noch nicht ausprobiert. Bei Temperaturen ab 5° C aufwärts fahre ich mit nicht ganz so warmen Handschuhen los, da ist das frieren beim Losfahren kein Problem, und für den Notfall habe ich noch ein warmes Paar Handschuhe im Gepäck.

So klappt es eigentlich recht gut, meinen Körper während dem Radfahren warm zu halten, beim Losfahren ist es erstmal etwas kühl, aber nach 10-15 Minuten, wenn man sich warm gefahren hat, ist es richtig angenehm. Und das ist eigentlich das schönste, bei richtig kalten Temperaturen fahren, während mir selbst angenehm warm ist.

Zahlensalat 2016

Wieder ist ein Jahr vorbei, hier kurz meine Statistik für das Jahr 2016:

Kilometer gesamt: 10.069,52 km
Höhenmeter gesamt: 77.918 hm

Grund der Fahrten

Arbeit: 5752,2 km
MTB: 3599,63 km
Einkaufen: 486,82 km
Sonstige Radtouren: 187,93 km
Sonstiges: 42,94 km

Ich habe also tatsächlich die 10.000 km geknackt, dafür habe ich mich zum Schluss aber nochmal reingehängt, und meine Bike2Work-Runde immer ausgereizt. Das muss ich nicht nochmal haben. Dann lieber häufiger MTB-Feierabendrunden, spätestens, wenn es zur Sommerzeit wieder länger hell bleibt.

Und was soll dieses Jahr sonst so passieren? Wieder eine längere Bikepacking-Tour, ich denke, es wird die Bikepacking Trans Germany, das Wort „Rennen“ ignoriere ich in der Beschreibung gekonnt, und mache eine Tour daraus. Bloß keinen Stress im Urlaub…
Aber auch sonst, will ich viel häufiger einfache „Overnighter“ machen. Im Zweifel schnell mal nachmittags los fahren, draußen pennen, und morgens wieder zurück. Wenn die Zeit reicht, gerne auch mit mehr Zeit zum Fahren. Das habe ich letztes Jahr einfach aus den Augen verloren…

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Grenzsteintropy 2016

Das Fertigstellen des Berichts zur GST 2016 hat sich ähnlich lang gezogen, wie die Etappen nach dem Brocken. Bei dem guten Wetter habe meine freie Zeit lieber auf dem Rad, als vor dem PC verbracht. Wenn ich dann noch bei Facebook und Co zur GST 2016 Sachen wie „großes Schweigen“ gelesen habe, hat das auch nicht gerade zur Motivation beigetragen. Ist ja nicht so, dass man die Jahre zuvor mit Berichten überhäuft wurde. Aber irgendwann ist er dann doch fertig geworden…

Tag 0

Anreise wie letztes Jahr: EC Köln -> Stuttgart, IC Stuttgart -> Nürnberg, RE Nürnberg – Hof, Hof -> Kleintierschänke mit dem Rad. In Nürnberg traf ich auf zwei weitere Mitfahrer, so dass wir die ca. 18 km mit dem Fahrrad gemeinsam zurücklegen konnten. An der Kleintierschänke angekommen, bot sich ein recht mageres Bild, was die bisher anwesenden Mitfahrer anging. Etwa eine Handvoll hatte sich bisher eingefunden. Im Laufe des Abends stieg die Zahl der Mitfahrer auf ca. 20 Mann, die Kleintierschänken-Crew hatte aber für deutlich mehr geplant. Gunnar schreibt in seiner Zusammenfassung von 27 fürs BBQ angemeldeten Fahrern. (Dort steht auch, dass nur 14 gestartet sind. Ich habe den Freitag morgen nicht nach gezählt, aber ich würde sagen, dass wir mehr als 14 waren.)

 

Tag 1

Auf den Wetterbericht war verlass, Dauerregen war angekündigt, und es gab Dauerregen. Im Prinzip kam das Wasser von allen Seiten, oben, unten, vorne, hinten, links und rechts… Vor dem Start hielt Frank noch eine kurze Ansprache, seine Notizen hatte der Regen vermutlich schon verwaschen, viel mehr als ein Satz war es nicht, aber wozu auch, bei dem Wetter wollte ich eigentlich nur los.
Schnell war ich so nass, dass mir der Regen egal war, kalt war es nicht, und so war der Regen eher unterhaltsam. Mal schüttete es richtig extrem, mal stand das Wasser auf der Lochplatte zentimeterhoch, oder es floss einem wie ein kleiner Bach entgegen und manchmal konnte man mit der Strömung fahren.
Nachmittags gab es ein paar trockene Phasen, und sogar ein paar Sonnenstrahlen. Z.B. an der Hütte, an der es in einer Höhle Wasser und Bier gibt. Dort kam ich zusammen mit Frank und zwei weiteren Mitfahrern an, wir gönnten uns jeder ein Bier und etwas Sonne, bis wir wegen weiterem Regen in die Hütte gingen. Mit Marco und Stefan kamen zwei weitere Mitfahrer an der Hütte an, wir besprachen kurz die Übernachtungspläne, ich war mir mit Marco und Stefan einig, dass eine Pension o.ä. schon nicht schlecht wäre. Währenddessen schraubte Frank an seinen Bremsen herum, wegen des Regens unter dem Vordach der Hütte. Das Unglück war schnell passiert, eine Schraube fiel runter, durch einen Spalt der Holzbohlen und war weg. Die ersten Versuche an die Schraube zu kommen scheiterten kläglich, es wurden schon die Fahrräder gecheckt, ob eine passende Schraube irgendwo überflüssig war, und Ersatzteiltüten durchsucht. Bei einem genaueren Blick auf eine Holzbohle kam die Lösung: 2 x Kreuzschlitz, 1 x Torx, das geht. Kurzerhand wurden 3 Holzschrauben gelöst, eine Bohle entfernt, und aus den Untiefen einer Lochplatte (als Fundament für eine Hütte können sie auch dienen) die verschollene Schraube gefischt. Wir hatten unseren Spaß, nach ein paar weiteren Handgriffen war die Bohle wieder fest. Die Pause dauerte natürlich viel zu lange, aber was soll’s.

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Hier mal mit der Strömung unterwegs

Ich erinnerte mich noch an einen Ort am Rennsteig, der nicht mehr so weit entfernt sein konnte. Am Rennsteig gibt’s immer Übernachtungsmöglichkeiten. In Grumbach angekommen in ein Gasthaus rein, alles belegt, „morgen ist Rennsteiglauf“ (es war der Rennsteigstaffellauf). Der Mann im Gasthaus fing an herumzutelefonieren und fragte in Nachbarorten, ob es noch etwas Freies gab, keine Chance. Marco und Stefan waren mittlerweile auch dazu gekommen. Nachdem das Herumtelefonieren erfolglos war, fuhren wir ein paar Meter zurück in eine Pizzeria. Dort saß schon Mitfahrer Thoralf, hinter der Theke wurde fleißig telefoniert, um ihm einen Schlafplatz zu organisieren. Er hatte Glück, im Nachbarort Brennersgrün war noch etwas frei. Ein paar Minuten später das OK für uns, wir können dort auch Übernachten, wir müssten uns nur „ein Zimmer teilen“. Wir aßen noch etwas und fuhren weiter nach Brennersgrün. Das Zimmer stellte sich als Ferienwohnung heraus, und es war genügend Platz für uns vier.

88,78 km und 1927 hm

Tag 2

Der zweite Tag verlief recht unspektakulär. Wir (Marco, Stefan, Thoralf und ich) beschlossen, erstmal zusammen weiter zu fahren. Zum Geld holen und einkaufen machten wir einen Abstecher nach Ludwigsstadt. Dort angekommen fing es gleich an zu regnen, so dass wir in einem Döner-Laden eine längere Mittagspause einlegten. Am Nachmittag verlief der Track kaum auf der Lochplatte, so dass es sich sehr angenehm fahren liess. Am späten Nachmittag erreichten wir Judenbach, Stefan erkundigte sich bei ein paar Einheimischen, wegen eines Restaurants o.ä. Uns wurde das Kulturzentrum (und Restaurant „Zum Forsthaus“) empfohlen. Als wir den Gastraum betraten, hörten wir vom Chef gleich so etwas wie: „Ihr müsst mir gar nichts über eure Tour erzählen, ich weiß alles. Eben war schon mal einer von euch da.“

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Blick ins Tal auf Burg Lauenstein

Beim Essen besprachen wir unsere Übernachtungspläne, eigentlich wollten wir noch weiter fahren, und irgendwo zelten. Ein eher spaßig gemeintes „hier vorne ist ja auch eine schöne, große Wiese zum Zelten“ bekam natürlich auch der Wirt mit. Seine Reaktion: „Kein Problem, ich lass euch die Tür auf, dann könnt ihr die Toilette benutzen.“ Marco wollte gerne noch weiter fahren. Etwas später bot der Wirt uns den Wintergarten zum Übernachten an, Isomatten vom Yogakurs inklusive, da war Marco schnell umgestimmt. Wer kann da nein sagen? Die Etappe endete dadurch eigentlich viel zu früh. Später holte der Wirt für uns noch ein paar Getränke von sich zu Hause, und eh wir uns versahen, waren wir allein im Restaurant. (Abgesehen von der Hochzeitsgesellschaft in dem benachbarten Gebäudeteil.)

60,41 km und 1500 hm

Tag 3

Mein Schlaf war recht unruhig, und ich wurde mit Halsschmerzen wach. Ausgerechnet jetzt krank werden? Gegen 7:30 Uhr starteten wir, auch die heutige Etappe war recht angenehm zu fahren. Nicht viel Lochplatte, und sehr wenige steile Rampen, so dass wir relativ gut voran kamen. Es gab den ein oder anderen technischen Stopp, um Bremsbeläge zu wechseln, aber sonst lief es ganz gut. Ich fühlte mich allerdings ziemlich bescheiden. Mittagspause gab es bei McDonalds bei Neustadt bei Coburg, ein ziemlicher Kontrast zur bisherigen Tour. Unglaublich, was an einem Sonntag mittag bei McDonalds los ist. Am Nachmittag erreichten wir den Autohof bei Eisfeld. Da ich ziemlich fertig war, und wir schon eine ganz annehmliche Kilometerzahl auf dem Tacho hatten, beschloss ich, im benachbarten Waldhotel einzuckecken. Eine Erkältung konnte ich nun gar nicht gebrauchen, da waren ein paar Stunden mehr Pause sicherlich nicht schlecht. Leider musste ich mich nach nur 1 1/2 Tagen von Marco, Stefan und Thoralf trennen, das hat echt ein riesen Spaß gemacht in der Gruppe. Auch wenn man gemerkt hat, dass man allein oder zu zweit besser voran kommt, was Pausen, technische Probleme o.ä. angeht. So hat es wesentlich mehr Spaß gemacht.

Am Hotel angekommen verzog ich mich schnell im Hotelzimmer und überlegte noch, was ich mache, wenn mich wirklich eine Erkältung für ein paar Tage außer Gefecht setzen würde. Ich sah mir noch den weiteren Verlauf des Tracks an, nicht allzu weit weg gab es zwei Bett und Bike Hotels, auf der Straße dürften das vielleicht 15, maximal 20 km sein. Das sollte mein morgiges Ziel werden, Notfalls wirklich die kürzeste Route über die Straße.

72,01 km und 1352 hm

Tag 4

Die Nase lief, und mir ging es noch etwas schlechter als gestern, aber ich hatte schon Schlimmeres erlebt. Ich fuhr erstmal nach Eisfeld, einkaufen und in eine Apotheke, ohne Nasenspray kann ich bei Schnupfen nicht vernünftig schlafen. Dann ging es zurück auf den Track, aber schon 10 km auf dem Tacho und kein Stück voran gekommen.

Der Plattenweg war auch heute recht gnädig, ich fuhr ganz gemächlich, auf dem Track insgesamt nur 30 km und machte dabei zwei Pausen, das Wetter passte zum Glück. Da im ersten Hotel nichts mehr frei war, musste ich das zweite ansteuern. Gegen 16:30 Uhr war ich auf dem Zimmer, später gab es noch Abendessen und etwas Weizenbier, das konnte alles gar nicht so schlimm sein mit der Erkältung. Zurück auf meinem Zimmer erblickte ich auf dem Nachbarbalkon Radklamotten. Dazu gleich mehr.

49,16 km und 728 hm

Tag 5

Wirklich fit war ich noch nicht, aber die normalerweise tödlich endende Männererkältung hatte mich wohl nicht erwischt. Beim Frühstücksbuffet begegnete mir noch GST-Mitfahrer Norbert, nach Schätzungsweise 2 Stunden hatte ich ihn eingeholt, und wir fuhren zusammen weiter. Insgesamt lief es bei mir wieder deutlich besser, bis zum Campingplatz in Irmelshausen sollte ich es schaffen können.
Am Nachmittag gab es noch ein paar heftige Passagen, aber gegen 17:30 Uhr erreichten wir dem Campingplatz. Pünktlich zum EM-Spiel von Deutschland um 18:00 Uhr. Dank der GST hatte ich bisher kaum was von der EM mitbekommen, dass Deutschland am Abend spielte, war mir gar nicht bewusst. Also gab es als Abendprogramm Currywurst Pommes Mayo, leckeres Bio Weizen und Fussball. Irgendwann am Abend kam der Chef vom Campingplatz vorbei, als Norbert sagte, dass er kein Zelt, sondern nur einen Biwaksack dabei hat, bot er uns an, in der Umkleide-Hütte des Badesees zu übernachten, nachts kommt eh keiner zum Baden und das hätten gestern schon mal 3 Radfahrer gemacht. Die 3 Radfahrer können eigentlich nur Marco, Stefan und Thoralf gewesen sein. Wir taten es ihnen gleich, und nahmen die Hütte. Dummerweise gefiel das Norberts Isomatte/Luftmatratze gar nicht, ihr ging die Luft aus.

86,26 km und 1755 hm

Tag 6

Am morgen war es schon recht schwül, vor 9 Uhr über 20 Grad. Der Tag wurde dann auch insgesamt sehr heftig. Ein paar wirklich fiese Stücke über die Lochplatte, Gewackel pur, dazu kurze steile Anstiege und ein paar längere… Wir hatten die Rhön erreicht, mit knapp 800 m ging es heute nochmal hoch hinaus. Unterwegs hatte ich ein paar Dejavus: mitten im Wald ein Bauwagen mit Bienenstöcken, hier hatten wir schon im Vorjahr den Weg gesucht und erst nach einiger Suche durch den Wald gefunden, dieses Jahr genauso. Dann eine recht lange Abfahrt, bis es irgendwann wieder auf die total zugewachsene Lochplatte ging, und natürlich der Steinbruch. Auch dieses Jahr war dort kein Weg (wo soll er auch plötzlich hergekommen sein). Diesmal entschied ich mich dazu, das Stück nicht zu umfahren, ein Fehler. Das Stück, was man von unten sieht, ist noch am besten zu schieben. Irgendwann steht man mitten im Busch, es ist so steil, da hätte man auch auf Asphalt kein Vergnügen. Zu allem Überfluss musste man sein Rad noch um Bäume, Sträucher, usw. wuchten.

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Typischer Verlauf des Kolonnenwegs

In Dippach bogen wir vom Track ab, um ein Hotel anzusteuern. Um ein paar Ecken im Ort herum, plötzlich saß dort ein erschöpfter Fahrer neben seinem bepackten Fahrrad. Sah nach GST aus, war aber nicht am Start dabei. Jemanden mit Irokesenschnitt und langem Vollbart übersieht man nicht so einfach. „Fahrt ihr die GST?“ kommt von ihm. Er war am Sonntag (wir hatten Mittwoch) hier gestartet, hatte am heutigen Vormittag abgebrochen und ist zurück zu seinem Auto, dass da neben im stand. Er befürchtete, „wie Ötzi zu enden“, wenn er alleine weiter gefahren wäre. Zumindest Frisur- und vor allem Barttechnisch könnte da eine gewisse Ähnlichkeit bestehen.
Sein Dialekt kam mir schon so bekannt vor, dann noch das dazugehörige Auto mit LDK-Nummernschild neben ihm, er war aus Herborn, also direkt um die Ecke vom südlichen Siegerland, meiner Heimat. So klein ist die Welt. Wir fuhren weiter nach Tann in eine Bett & Bike Pension, wo wir noch 2 Zimmer bekamen.

75,65 km und 1726 hm

Tag 7

Heute kündigte der Wetterbericht eine Hitzeschlacht an, morgens um 9 Uhr schon über 26 Grad, es wurde richtig heiß. Defintiv nicht mein Wetter. Ein paar üble Anstiege, schiebend durch hohes Gras, jedes Fleckchen Schatten wurde für eine kleine Verschnaufpause genutzt. Nachmittags kamen wir durch keinen Ort, keine Einkaufs- oder Essensmöglichkeit, irgendwann fuhren wir vom Track ab in einen kleinen Ort, vielleicht 5 Häuser bzw. Höfe, um Wasser nachzufüllen. Im ersten Hof war niemand anzutreffen, nebenan war aber eben die Postbotin, dort hatte ich Glück. Eine etwas merkwürdige Frau, in, ich nenne es mal Wohlfühl-Jogginganzug, rauchend neben der Haustür, der Aschenbecher war vor lauter Kippen kaum noch zu erkennen. Ihre erste Reaktion auf meine Frage nach Wasser: „Wasser habe ich nicht, aber sie können gerne was anderes haben.“ Ich dachte, jetzt bin ich in der DDR angekommen, kein fließendes Wasser, hake aber nach, und ergänzte, dass ich Leitungswasser meine. „Ah, das geht.“ Norbert bekam seine Flaschen ebenfalls aufgefüllt, und es konnte weiter gehen.
Weit kamen wir allerdings nicht, wir machten immer wieder Pausen, deutlich über 30 Grad, das machte kaum Spaß. Gegen 17 Uhr erreichten wir Point Alpha, dort gab es kalte Getränke. Wir besprachen das weitere Vorgehen, mir war es eigentlich immer noch zu heiß, und ich musste einkaufen. Das ging nur unten im Tal, und dann bei der Hitze wieder den Berg hoch? Wir beschlossen in Geisa eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Glück hatten wir allerdings keins, wir fuhren nach Schleid, dort hatte ich schon im letzten Jahr übernachtet.
Beim abendlichen Blick auf die Karte fiel mir die Kinnlade herunter. Der Ort bei Tann, wo wir übernachtet hatten, ist über die Straße maximal 15 km entfernt, und wir kämpften uns den ganzen Tag bei einer Affenhitze die ehemalige Grenze entlang…
(Nachtrag: gerade mal geguckt, es sind nur 11,4 km, vielleicht 30 Minuten mit dem Fahrrad…)

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Kurz vor Point Alpha

57,75 km und 1582 hm

 Tag 8

Da Monteure im Hotel übernachteten gab es schon ab 6 Uhr Frühstück, das schafften wir nicht ganz, aber um 7:45 Uhr starteten wir, bei deutlich über 20 Grad. In Geisa wurde noch kurz eingekauft, bevor es hoch zu Point Alpha ging. Ganz schön anstrengend zum Start, aber danach lief es bei mir sehr gut. Ich fuhr Norbert weg, in Vacha am Supermarkt machte ich Mittagspause, um auf ihn zu warten. Als er endlich kam, fuhr er trotz meines Winkens und Rufens einfach an mir vorbei. Ich packte zusammen und fuhr hinterher, aber er war nicht mehr zu sehen. Die Hitze wurde wieder ziemlich heftig, aber die Strecke war zumindest besser zu fahren. Langsam sah man, wie das für den Nachmittag/Abend angekündigte Unwetter von Westen heranzog, aber für uns gab es noch die volle Ladung Sonne. Am frühen Nachmittag gönnte ich mir eine etwas längere Pause, irgendwann kam tatsächlich Norbert an, den ich vor mir vermutet hatte. Er hatte in Vacha in einem Biergarten pausiert. Gegen 16 Uhr waren wir kurz vor Herleshausen, als der erste Donner zu hören war. Die letzten Meter nach Herleshausen rein stürmte es schon recht ordentlich, wir machten direkt das erste Hotel klar, und bevor es regnete waren die Fahrräder sicher und trocken verstaut. Es schüttete recht ordentlich, am Abend schien schon wieder die Sonne, als wäre nichts gewesen. Weiter nördlich hatte das Unwetter wohl heftiger zugeschlagen.

72,69 km und 1596 hm

Tag 9

Der Tag begann schwül und trocken, die ersten paar Kilometer ließen sich gut fahren, bis es irgendwann in die grüne Hölle ging. Ein recht langes Stück Lochplatte, immer wieder gut mit Grünzeug bewachsen, aber noch fahrbar, links und rechts vom Weg Büsche und Wald. Aber das schlimmste? Bremsen! (Nein, nicht die vom Fahrrad). Die Fliegen schwirrten um einen herum, saßen auf wenigen Quadratzentimetern nebeneinander auf Arm, Bein, Hand, Rücken, und bissen zu. Irgendwann schlug mir Norbert 6-7 Stück vom Rücken. Beim Fahren ging es noch halbwegs, aber beim Schieben war man die reinste Futterstelle für die Viecher. Ich versuchte, die Berge hoch zu rennen, fluchte laut und war kurz vorm durchdrehen. Bei kleinen Verschnaufpausen schlug ich aus Reflex nach jedem Grashalm, der mein Bein berührte. Der einsetzende Regen machte die Sache nicht besser. Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte der Regen auf, und die Natur spuckte mich wieder aus. Der Track kreuzte eine kleine Straße, dort setzte ich mich einfach hin, Pause, alles juckte, ich war klatschnass, das schlimmste Stück, dass ich jemals gefahren bin. Bremsen waren keine mehr zu sehen. Nach ein paar Minuten kam Norbert, noch ein kleiner Snack und wir setzten unsere Fahrt fort. Wir machten einen kleinen Abstecher zum Heldrastein (der Track biegt ca. 200 m vorher ab), auch dieses Jahr kein Glück mit dem Wetter, dementsprechend schlammig wurde die Abfahrt ins Werratal. Zurück auf der Lochplatte folgte der nächste Anstieg, plötzlich kam mir eine Gruppe Segways entgegen, die Fahrer guckten vermutlich genauso dumm wie ich: „Hier, mit dem Segway/Fahrrad?“ Irgendwann wurde es mir zu steil und ich schob, ein paar hundert Meter später merkte ich, dass mein Hinterreifen Luft verliert. Oben angekommen also ein kleiner Boxenstopp.

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Von diesen Hindernissen sollte es in den folgenden tagen noch einige geben

Den Rest des Tages liess es sich recht angenehm fahren, nicht mehr viel Lochplatte, ein kräftiger Regenschauer brachte eine angenehme Abkühlung, die Sonne hatte es zwischendurch gut aufgeheizt. Wir rollten am frühen Abend in Sickenberg ein, als es wieder richtig anfing zu Schütten und retteten uns in ein Bushäuschen. Norbert fragte im Hof Sickenberg ob noch ein Zimmer frei war, aber wie ich erwartet hatte, waren heute, am Samstag alle 4 Zimmer belegt. Die Besitzerin wollte uns aber nicht im Regen stehen lassen, wir konnten auf dem Heuboden übernachten, zum Waschen/Duschen den Gartenschlauch (bis wir soweit waren, war der Regen weg) und die Toilette benutzen. Brotzeit und Weizen zum Abendessen, und Frühstück am nächsten Morgen gab es auch.

70,8 km und 2078 hm

Tag 10

Die Nacht im Heu war erstaunlich gut, der Tag begann mit Sonnenschein und einem leckeren Frühstück draußen auf der Terrasse. Im ersten Anstieg kamen wir an einer Hütte vorbei und trafen endlich nochmal einen weiteren GST Fahrer, der dort übernachtet hatte. Wir redeten noch etwas, bevor wir weiter fuhren. Kurze Zeit später folgte der härteste Abschnitt des Tages, ein langer steiler Anstieg, zwar keine Lochplatte, aber aufgrund des Regens total schlammig, und na klar, es war schieben angesagt. Ansonsten lief es recht gut, ab und zu ging es durch die Pampa, es gab aber auch viele gute Wege. Auf den ersten 30 km kamen fast 1000 hm zusammen, nachmittags war sogar schon der Brocken zu sehen. Nach einer gemütlichen Pause fuhr Norbert wieder zu mir auf, die letzten Kilometer ging es zusammen bis Fuhrbach, wo wir im Hotel übernachteten.

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Der Brocken in sichtweite

74,98 km und 2053 hm

Tag 11

Morgens starteten wir recht früh, mit der Hoffnung am Nachmittag/frühen Abend noch den Brocken überqueren zu können. Bis auf wenige Ausnahmen lief alles sehr gut, es gab ein paar nicht ganz so schöne Abschnitte Lochplatte, an einer Stelle fehlte die Brücke über einen Bach. Mein Tretlager gab mittlerweile ziemlich komische Knarzgeräusche von sich, bis auf das Geräusch passte aber alles, es wackelte nichts, und die Kurbel drehte leichtgängig wie sonst auch. In Hohegeiss machten wir Mittagspause am Grenzimbiss, gegen 16:30 Uhr gingen wir in den Anstieg zum Wurmberg. Gegen 18:45 Uhr kamen wir oben auf dem Brocken an. Es war fast nichts mehr los, vielleicht noch eine handvoll andere Leute, wir konnten ungestört Gipfelfotos machen. Da ein recht kühler Wind wehte und es schon recht spät war, vertrödelten wir nicht allzuviel Zeit und nahmen die Abfahrt in Angriff. An der Eckertalsperre wurde es nochmal recht holprig (Wurzeltrail), die Abfahrt im Eckertal umso schöner.

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Norbert machte telefonisch recht spät ein Hotel in Bad Harzburg klar, wir hatten uns eigentlich schon getrennt, da er ein Hotel suchen und ich zelten wollte, kurze Zeit später war er plötzlich wieder hinter mir. Ich konnte dem Gedanken auf Dusche, Bett und Frühstück nicht widerstehen und kam mit. Das Stück Straße bis Bad Harzburg zog sich noch ganz ordentlich. Gegen 22 Uhr kamen wir an, und konnten bei 2 Bier noch ein wenig Fussball gucken.

116,45 km und 2559 hm

Tag 12

Nun begann der ungemütliche Teil, nur wenige Kilometer weiter hatte ich es im letzten Jahr geschafft, bis ich gernervt, mit dem Wissen, dass die Zeit nicht reicht um die Ostsee zu erreichen, aufgab. Die Zeit sollte diesmal kein Problem werden. Die Strecke schon, ich bleibe auch jetzt dabei, im flachen ist die Lochplatte genauso unangenehm zu fahren, wie im Mittelgebirge. Es gibt zwar keine steile Rampen mehr, aber es kostet ordentlich Kraft auf ein, für ein flaches Stück, annehmliches Tempo zu kommen. Abschnitte in denen man Rollen lassen kann gibt es kaum, mich nervt das total, das ist einfach nicht mein Ding. Norbert fuhr mir dementsprechend davon, sonst hatte ich ihn immer stehen lassen. Highlight des Tages: Die Gedenkstätte Marienborn, inklusive auf dem Rastplatz Geisterfahrer spielen. Irgendwann traf ich wieder auf Norbert, in einem Nachbarort von Oebisfelde bekamen wir noch ein Hotelzimmer.

131,9 km und 893 hm

Tag 13

Anfangs war es noch ganz ok zu fahren, ein paar umgestürzte Bäume, an einer Stelle war an ein weiterkommen nicht wirklich zu denken: Rechts vom Weg eine Art Kanal, der vermutlich die Felder bewässert, von links waren auf einem über 100 m langen Stück reihenweise die Bäume auf den Weg gekippt, als wir umdrehten und uns einen anderen Weg suchten, kamen uns ein paar Pickups entgegen, scheinbar die Aufräumkolonne. Irgendwann wurde es richtig ungemütlich, sandiger Boden, Wurzeln, Pfützen und flach, richtig ätzend. Ich verstehe langsam, warum so viele Menschen im flachen mit E-Bikes unterwegs sind. Es macht sonst einfach keinen Spaß.
Wir fuhren bis Arendsee, wo wir in einem Hotel in einem schönen, alten Fachwerkhaus übernachteten.

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Da hatte der Sturm ordentlich zugeschlagen

131,89 km und 569 hm

Tag 14

Der Tag begann wieder mit viel flacher Langeweile. Norbert fuhr wieder weg, es ging am Atommüll Endlager Zwischenlager Gorleben vorbei. Ab Hitzacker waren wir wieder zusammen unterwegs. Nun folgte das wahrscheinlich schönste Stück nördlich des Brockens, es ging etwas weg von der Elbe, etwas Wald, ein paar Hügel und nette Wege inklusive ein paar einfacher Trails. So viel Spaß hatte ich gefühlte Ewigkeiten nicht mehr. Bei Bleckede ging es mit der Fähre über die Elbe. Bis Boitzenburg verlief der Track stur den Elberadweg entlang, ein echtes Highlight. Links der Deich, rechts langweiliges Landesinnere. Wer zum Teufel baut Flussradwege, bei denen man nicht mal einen Fluss sieht? Und wer zum Teufel fährt sowas längere Stücke? Wir übernachteten in Lauenburg in einem Hotel das noch komplett renoviert wurde, und eine Baustelle war. Dafür gab’s immerhin Elbblick.

128,18 km und 810 hm

Tag 15

Norbert hatte sich für heute einiges vorgenommen, er wollte nicht nur Priwall erreichen, sondern noch weiter bzw. zurück nach Lübeck in die Jugendherberge. Entsprechend fuhr er mir nach unserem Frühstück auf und davon und war nicht mehr gesehen. Zu Beginn gab es ein unschönes Stück, fast schulterhohes Gras und Brennesseln, danach war fast alles gut fahrbar. Viele schöne Radwege der Kategorie Waldautobahn, auch wenn es nicht mehr so viel Wald hatte. Es ging am Schaal-, Küchen- und Ratzeburgersee, teilweise auf sehr netten Wegen entlang, zwischendurch etwas Regen, die Kilometer zum Ziel wurden immer weniger. Kurz vor Schluss wurde es sogar nochmal hügelig, man glaubte kaum, dass man kurz vor der Ostsee war. Richtig schön durchs Grünzeug ging es auf den letzten Kilometern natürlich auch noch, wie es sich für die Grenzsteintrophy gehört, möchte man sagen. Es gab nochmal einen ordentlichen Regenguss, als ich gegen 19:45 Uhr am FKK Strand in Priwall ankam war es wieder trocken. Die letzten Meter am Strand zog mein Rad den Sand förmlich an wie ein Magnet. Was für eine Sauerei. Aber egal, ich genoß den Augenblick und gönnte mir das beim letzten Einkauf mitgenommene Bier. Ich schrieb Stefan eine SMS und fragte, ob er einen Tipp für eine Übernachtung hat. Bei gutem Wetter hätte man sich ja ein Plätzchen in den Dünen suchen können, aber es war weiterer Regen angekündigt. Stefan empfahl den Campingplatz in Ivendorf, dort angekommen wurde vor Einbruch der Dunkelheit schnell das Zelt aufgebaut. Danach gab’s noch etwas Bier und die letzten 30 Minuten vom EM-Spiel Wales gegen Belgien.

146,6 km und 1000 hm

Mehr Fotos gibt’s bei Flickr.

Der Strava Unsinn

Habe ich schon erwähnt, dass ich mit Strava so rein gar nichts anfangen kann? Gerade in Sachen MTB finde ich es absolut überflüssig und durchaus gefährlich. Aber auch was das normale Radfahren angeht.

Mir geht es in erste Linie um diesen ganzen Segmente-Unsinn. Erstmal finde ich es überhaupt ziemlich unsinnig, aus jedem zusammenhängenden Höhenzentimeter ein Segment (und damit ein Wettbewerb) zu machen. Erst recht, wenn die Strecken so kurz sind, dass andere sie problemlos zu Fuß im Sprint zurücklegen. Außerdem, woher weiß man, mit was für einem Rad die Konkurrenten unterwegs waren, wie waren die Bedingungen (Rückenwind, o.ä.)… Wer sich mit anderen messen will, soll bei Rennen mitfahren.

Absolut kontraproduktiv finde ich das Ganze in Sachen gegenseitige Rücksichtnahme. Als Mountainbiker bekommt man die Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern grundsätzlich mit, persönlich habe ich bisher zum Glück kaum Probleme gehabt, aber man verfolgt das natürlich sehr interessiert. Wenn nun irgendwelche Idioten auf Rekordjagd die Berge hoch, die Trails oder auch ganz normale Radwege entlang rasen finde ich das alles andere als gut. Und wenn es zu Problemen mit anderen führt, ist es einfach nur noch scheiße. Natürlich ist jeder für sich selbst verantwortlich, nicht jeder Strava-Nutzer ein rücksichtsloser Raser. Aber dieser ganze Scheiß fördert die Raserei. Man sieht nach einer Tour, oh da ist ein Segment, da gebe ich beim nächsten Mal Gas, teilweise an Stellen, wo man sonst nicht wirklich auf die Idee kommen würde, schnell zu fahren. Mit der richtigen technischen Ausstattung, sieht man mittlerweile auch live während der Tour, wann ein Segment beginnt und endet. Von der Möglichkeit Unfälle zu verursachen, wenn plötzlich jemand entgegen kommt, oder jemand langsameres im Weg ist, will ich gar nicht reden.

Aufgrund von Umständen (kurz: ich wollte eine App ausprobieren, die es für mein Smartphone nicht gibt) bin ich jetzt auch mal kurzzeitig bei Strava gelandet und meine vorherrschende Meinung wurde bestätigt. Nach dem ersten „Bike2Work“ habe ich mir mal angeguckt, was es da für Segmente und Bestzeiten gibt. Wie oben erwähnt, oft nur kurze Strecken, manchmal nur 100 m, wo ich mich überhaupt frage, was das für ein Sinn hat. Aber es gab ein paar Dinge, die gar nicht gehen:

  • ein Segment ca. 500 m über eine Brücke, kombinierter Fuß- und Radweg (in beide Richtungen befahren), der gerade so breit ist, dass man an einem Fußgänger/Radfahrer vorbei kommt, also keine 2 m, links und rechts ein Geländer. Da muss man nicht wirklich schnell fahren, zumal es auf der Brücke durch einen Turm geht, wo man Gegenverkehr erst sehr spät sieht.
  • Bei einem Stück, nur ca. 200 m lang, hat mich die Bestzeit überrascht. 11s und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 100 km/h… hoffentlich nur ein GPS-Fehler oder manipulierte Datei….
  •  Ein paar meiner Hometrails, wenn ich sie mal so nennen will, wo die Bestzeiten durchschnittlich um die 30 km/h liegen. Wenn da jemand entgegen kommt… denn die Abschnitte sind problemlos in beide Richtungen befahrbar. Wer auf Trails ballern will, soll doch bitte in den Bikepark.

Das waren jetzt nur 3 Beispiele, es gab noch genug Abschnitte auf viel befahrenen und begangenen Fuß- und Radwegen, bei denen ich nur den Kopf geschüttelt habe. Muss sowas wirklich sein, auf Strecken wo sich so viele Menschen in den unterschiedlichsten Geschwindigkeiten begegnen?

Klar, Strava hat auch noch andere Funktionen, ist gleichzeitig ein soziales Netzwerk… Aber dafür gibt es auch Alternativen, und dieses soziale Netzwerk Gedöns ist in dem Fall doch wie Facebook, es geht darum, seinen Freunden, Followern (oder wie man sie bei Strava nennt), zu zeigen, was für ein toller Hecht man ist. Wer’s braucht. Ich habe auch so meinen Spaß beim Mountainbiken.

Nun gut, ich habe eine andere Möglichkeit gefunden, um die App zu nutzen, und mein Strava Konto wieder deaktiviert.

Winterbiken

Ich liebe es, im Winter Mountainbike zu fahren. Kalte, sonnige Tage, am liebsten im Schnee, so macht es richtig Spass. Leider ist dieser Winter so gar nicht nach meinem Geschmack, eher nass und kühl, und Schnee gibt’s in Köln eh kaum, dafür müsste ich ein paar Kilometer raus ins Bergische, oder noch besser, in die Eifel…

Am letzten Samstag gab es mal eine Ausnahme, den ganzen Tag war Sonne angekündigt, und so wurde es auch. Also habe ich mich am späten Vormittag in den Zug Richtung Trier gesetzt und bin nach Nettersheim gefahren. (Alternativ kann man auch nur bis Kall fahren, und von dort starten. Ich bevorzuge aber meistens Nettersheim, den Halt finde ich sympathischer, und falls man unterwegs Probleme bekommt, kann man die Tour in Kall nach 20 km abbrechen.) Für dort habe ich in meiner GPX-Sammlung eine kleine Runde (knapp 35 km und um die 850 hm) mit ein paar schönen Trails, genau die richtige Länge für eher kalte Tage. Es gab teilweise sogar noch etwas Schnee unter die Stollen.

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So macht Winter Spass, Sonne und sogar noch etwas Schnee

Für diese Jahreszeit ließ sich die Strecke gut fahren, es war nicht zu verschlammt, auf den vereisten Abschnitten war allerdings besondere Vorsicht geboten. Aber alles kein Problem. Anstrengend war es allerdings schon, das erste Mal seit langem wieder mit dem Singlespeed ordentlich Höhenmeter gesammelt.
In der Sonne war es sogar warm genug für eine kleine Pause inkl. Snack und Tee. Sonst habe ich für etwas Abwechslung vom Lei(s)tungswasser irgendeine Limo dabei, Tee war diesmal aber die bessere Wahl.

 

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Sonne tanken bei einer Pause

Eine der letzten Trailabfahrten musste ich auslassen, den Anstieg davor wollten die Beine einfach nicht mitmachen. Stattdessen bin ich im Tal an der Urft entlang gefahren. Einen letzten Bogen vor Nettersheim hätte ich mir auch besser gespart, es wurde plötzlich nochmal richtig schlammig, da wäre ich besser auf dem befestigten Wirtschaftsweg geblieben. Aber so lohnt es sich mal, das Fahrrad richtig zu waschen.

Bei GPSies gibt es die GPS-Daten zur Tour: MTB Runde Nettersheim

Zahlensalat 2015 – Ziele 2016?

Kurz mal ein statistischer Jahresrückblick:

Ich bin 2015 insgesamt 7.212,36 km mit dem Fahrrad gefahren, dabei habe ich mehr als 47.313 hm zurückgelegt. (Bis Oktober habe ich die Höhenmeter nur bei MTB Touren gemessen, mittlerweile habe ich den Garmin Edge 20 immer dabei, daher mehr als 47.313.)

Die Kilometer verteilen sich wie folgt auf meine Fahrräder:

  1. Salsa Fargo 5.911,65 km
  2. On One Inbred SSP 570,45 km
  3. Meride One-Twenty 541,35 km
  4. Radon TCS 9 185,91 km

+ 3 km mit so einem KVB Bikesharing Dingen…

 

Etwas interessanter der Grund der Fahrten:

  1. Fahrten zur Arbeit 3.925,45 km
  2. MTB Touren 2.370,31 km
  3. Sonstige Radtouren/Trainingsfahrten 554,44 km
  4. Einkaufen (Supermarkt, Bäcker, …) 352,81 km
  5. Sonstiges 9,35

Die Fahrten zur Arbeit und zum Einkaufen wurden regelmäßig, je nach Lust und Laune verlängert, so dass eigentlich Radtour/Training mit der Arbeit oder Einkaufen verbunden wurde. Diese Kilometer habe ich allerdings unter Arbeit bzw. Einkaufen gezählt.

 

Meine Ziele für 2016? Also ganz klar, erstmal gesund und fit bleiben, denn nur dann kann ich weiterhin viel mit dem Fahrrad fahren. Man weiß ja nie, was passiert, und ob ich weiterhin so viel fahren kann. Kilometermäßig würde ich gerne die 10.000 km Marke knacken, aber wer weiß, ob das klappt…
Insofern ist mein Ziel für 2016 eigentlich, an so vielen Tagen wie möglich mit dem Fahrrad zu fahren. Außerdem möchte ich wieder eine längere mehrtägige Tour machen (evtl. wieder die Grenzsteintrophy, nur diesmal mit mehr Zeit, um die Ostsee zu erreichen), aber da habe ich mich noch nicht entschieden. Und ein paar kürzere Touren mit 1-2 Übernachtungen soll es auch geben.